Seefracht
FCL oder LCL: ab wann sich ein eigener Container lohnt
Kurz gesagt
Unter etwa 10 Kubikmetern ist LCL fast immer richtig, über 15 der eigene 20-Fuß-Container, selbst wenn er nicht ganz voll wird. Dazwischen muss gerechnet werden. Ein Argument, das in der Rechnung meist fehlt: Im Sammelcontainer wird Ihre Ware zweimal umgeschlagen, im Vollcontainer nie.
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Der Unterschied in einem Satz
Bei FCL, Full Container Load, buchen Sie einen kompletten Container für sich allein. Er wird bei Ihnen beladen, verplombt und erst beim Empfänger wieder geöffnet. BeiLCL, Less than Container Load, teilen Sie sich einen Container mit den Sendungen anderer Versender. Ihre Ware wird im Abgangshafen in den Container gepackt und im Zielhafen wieder ausgepackt.
Containermaße, mit denen Sie rechnen können
- 20 Fuß Standard: Innenmaße etwa 5,90 mal 2,35 mal 2,39 Meter, rund 33 Kubikmeter Rauminhalt, praktisch nutzbar 25 bis 28. Zuladung je nach Reederei etwa 21 bis 28 Tonnen. Bodennah passen 11 Europaletten.
- 40 Fuß Standard: Innenmaße etwa 12,03 mal 2,35 mal 2,39 Meter, rund 67 Kubikmeter. Bodennah 25 Europaletten. Die Zuladung ist kaum höher als beim 20-Fuß-Container.
- 40 Fuß High Cube: Wie oben, aber etwa 30 Zentimeter höher, rund 76 Kubikmeter. Die richtige Wahl bei voluminöser, leichter Ware.
Der wichtigste Punkt daran: Beim 40-Fuß-Container verdoppelt sich das Volumen, die zulässige Zuladung aber nicht. Bei schwerer Ware ist deshalb fast immer das Gewicht der Engpass, nicht der Platz. Zwei 20-Fuß-Container können bei schwerer Ladung sinnvoller sein als ein 40-Fuß-Container.
Wie LCL abgerechnet wird
LCL wird nach dem Frachtmaß berechnet, abgekürzt w/m für Weight or Measurement. Herangezogen wird der höhere der beiden Werte, wobei ein Kubikmeter einer Tonne gleichgesetzt wird.
Beispiel: Ihre Sendung misst 6 Kubikmeter und wiegt 2,5 Tonnen. Abgerechnet werden 6 Einheiten. Wiegt dieselbe Sendung 8 Tonnen, werden 8 Einheiten abgerechnet.
Daraus folgt eine praktische Konsequenz: Bei leichter, sperriger Ware lohnt sich kompaktes Packen unmittelbar. Jeder eingesparte Kubikmeter ist bares Geld.
Die Rechnung, die den Kipppunkt bestimmt
Vergleichen Sie nicht die Raten, sondern die Gesamtkosten von Tür zu Tür. Bei LCL kommen zur Seefracht regelmäßig hinzu:
- Terminal Handling Charges in beiden Häfen
- Stuffing im Abgangshafen und Entstuffing im Zielhafen
- Dokumentengebühr, oft als Fixbetrag je Sendung
- Zollabfertigungsgebühr
- Nachlauf zum Empfänger
Mehrere dieser Positionen sind Fixkosten je Sendung. Sie fallen bei 2 Kubikmetern genauso an wie bei 12. Genau deshalb steigen die Stückkosten bei LCL nicht linear, und genau deshalb kippt die Rechnung irgendwo zwischen 13 und 15 Kubikmetern zugunsten des eigenen Containers.
Was in der reinen Kostenrechnung fehlt
Umschlagrisiko
Im Sammelcontainer wird Ihre Ware mindestens zweimal bewegt, beim Packen und beim Auspacken. Dazu steht sie neben fremder Ladung, deren Zustand und Gewicht Sie nicht kennen. Ein umkippender Nachbarstapel ist ein reales und häufiges Schadensbild. Bei empfindlicher oder hochwertiger Ware kann allein das den Aufpreis für den eigenen Container rechtfertigen.
Laufzeit
LCL braucht Sammelfristen. Der Container fährt erst los, wenn er voll ist. Je nach Relation kostet das zusätzlich mehrere Tage bis über eine Woche, auf der Abgangsseite wie auf der Empfangsseite.
Abhängigkeit von fremden Sendungen
Wenn eine andere Sendung im selben Container beim Zoll auffällt, steht der Container. Ihre Ware ist dann mit betroffen, obwohl Ihre Papiere in Ordnung sind. Bei FCL passiert Ihnen das nicht.
Demurrage und Detention, die Posten, die niemand einplant
Nach Ankunft im Zielhafen haben Sie eine Freistellungszeit, die sogenannten Freitage. Danach laufen zwei Uhren:
- Demurrage fällt an, solange der Container im Hafen oder Terminal steht.
- Detention fällt an, sobald Sie den Container abgeholt haben und ihn nicht zurückgeben.
Beide werden tagesgenau berechnet und steigen oft gestaffelt an. Bei mehrtägiger Verzögerung kommen schnell vierstellige Beträge zusammen, und zwar unabhängig davon, wer die Verzögerung verursacht hat.
Die einzige wirksame Gegenmaßnahme sind rechtzeitig fertige Zollpapiere. Deshalb bereiten wir die Einfuhrverzollung vor, während der Container noch auf See ist, und nicht erst, wenn er angekommen ist.
Die Entscheidung in drei Schritten
- Volumen der Sendung in Kubikmetern ausrechnen, inklusive Paletten und Verpackung.
- Unter 10 Kubikmeter: LCL. Über 15: 20-Fuß-Container. Dazwischen: beides rechnen lassen.
- Bei empfindlicher, hochwertiger oder terminkritischer Ware die Grenze nach unten verschieben. Der Container hat Vorteile, die nicht auf der Rechnung stehen.