Luftfracht
Luftfracht: Kosten, Laufzeiten und Volumengewicht
Kurz gesagt
Luftfracht wird nach dem höheren Wert aus tatsächlichem Gewicht und Volumengewicht abgerechnet. Das Volumengewicht ergibt sich aus Länge mal Breite mal Höhe in Zentimetern geteilt durch 6.000. Bei leichter, sperriger Ware senkt kompakteres Packen deshalb den Preis unmittelbar, oft deutlicher als jede Verhandlung.
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Das frachtpflichtige Gewicht, selbst gerechnet
Luftfracht wird nicht nach dem gewogenen Gewicht abgerechnet, sondern nach dem sogenannten frachtpflichtigen Gewicht, englisch Chargeable Weight. Das ist immer der höhere der beiden Werte:
- das tatsächliche Bruttogewicht in Kilogramm
- das Volumengewicht, berechnet als Länge mal Breite mal Höhe in Zentimetern geteilt durch 6.000
Ein durchgerechnetes Beispiel:
Zwei Kisten, je 120 mal 80 mal 100 Zentimeter, je 90 Kilogramm schwer.
Volumen je Kiste: 120 mal 80 mal 100 ergibt 960.000 Kubikzentimeter.
Volumengewicht je Kiste: 960.000 geteilt durch 6.000 ergibt 160 Kilogramm.
Tatsächliches Gewicht je Kiste: 90 Kilogramm.
Abgerechnet werden 160 Kilogramm je Kiste, also 320 statt 180 Kilogramm.
Sie zahlen in diesem Fall für 140 Kilogramm Luft. Das ist kein Fehler des Spediteurs, sondern weltweiter Standard, weil Frachtraum im Flugzeug vor allem nach Platz und nicht nach Gewicht begrenzt ist.
Was Sie daraus praktisch machen können
Bei leichter, voluminöser Ware ist die Verpackung der größte Kostenhebel, den Sie selbst in der Hand haben. Konkret:
- Höhe reduzieren. Zehn Zentimeter weniger Höhe bei einer 120 mal 80 Kiste sparen 16 Kilogramm frachtpflichtiges Gewicht.
- Hohlräume vermeiden. Luft im Karton wird mitbezahlt. Kleinere, passgenaue Umverpackungen schlagen große Standardkartons.
- Palettenüberstand vermeiden. Gemessen wird das äußerste Maß, nicht das der Palette. Ein Überstand von fünf Zentimetern rundherum kostet echtes Geld.
- Nicht doppelt palettieren. Wenn die Ware ohnehin in einen Luftfrachtcontainer umgepackt wird, ist die Europalette darunter oft nur zusätzliche Höhe.
Was zur Rate noch dazukommt
Die reine Luftfrachtrate ist selten der Endpreis. Typische weitere Positionen:
- Treibstoffzuschlag, je Kilogramm, schwankt mit dem Kerosinpreis
- Sicherheitszuschlag, je Kilogramm
- Abfertigungsgebühren am Abflug- und am Zielflughafen
- Air Waybill Fee, Fixbetrag je Sendung
- Sicherheitskontrolle, wenn die Sendung nicht als sichere Fracht gestellt ist
- Vor- und Nachlauf auf der Straße
- Zollabfertigung bei Drittlandsendungen
- Gefahrgutzuschlag, falls einschlägig
Bei kleinen Sendungen dominieren die Fixkosten. Eine 40-Kilogramm-Sendung kostet pro Kilogramm deutlich mehr als eine 500-Kilogramm-Sendung auf derselben Relation. Wer regelmäßig kleine Mengen verschickt, spart durch Bündeln oft mehr als durch Ratenverhandlung.
Laufzeit realistisch planen
Die Gesamtlaufzeit setzt sich zusammen aus:
- Vorlauf vom Versender zum Abflughafen
- Annahmeschluss am Flughafen, üblicherweise mehrere Stunden vor Abflug
- Sicherheitskontrolle, sofern die Fracht nicht bereits sicher gestellt ist
- Flug, gegebenenfalls mit Umsteigen
- Abfertigung und Umschlag am Zielflughafen
- Einfuhrverzollung
- Nachlauf zum Empfänger
Realistisch sind je nach Ziel zwei bis fünf Tage von Tür zu Tür. Wer nur die Flugzeit rechnet, plant grundsätzlich zu knapp, und der Zeitvorteil gegenüber der Seefracht ist trotzdem gewaltig.
Bekannter Versender: lohnt sich das?
Luftfracht muss vor der Verladung sicher sein. Es gibt zwei Wege dorthin: entweder die Sendung wird beim reglementierten Beauftragten kontrolliert, oder sie kommt von einem bekannten Versender.
Der Status als bekannter Versender wird vom Luftfahrt-Bundesamt vergeben und setzt ein Sicherheitsprogramm im eigenen Betrieb voraus. Der Aufwand lohnt sich, wenn Sie regelmäßig versenden, denn die Kontrolle beim reglementierten Beauftragten kostet Zeit und Geld und ist bei dicht gepackten oder empfindlichen Sendungen manchmal nur durch Öffnen der Verpackung möglich.
Wann Luftfracht die falsche Entscheidung ist
Bei planbarer Lagerware praktisch immer. Seefracht ist pro Kilogramm um ein Vielfaches günstiger, braucht auf typischen Fernostrelationen aber vier bis sechs Wochen von Tür zu Tür. Wenn Sie diese Zeit haben, sollten Sie sie nutzen. Die Grundlagen dazu stehen im BeitragFCL oder LCL.
Sinnvoll ist auch der Mittelweg: den dringenden Teil per Luftfracht vorziehen und den Rest per Seefracht nachfahren lassen. Das rechnet sich häufiger, als es angeboten wird.